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GEDANKEN

Zur Corona-Krise

 

GEDANKEN

Zur Corona-Krise

 

Seit wenigen Wochen bestimmt ein Wort unseren Alltag – CORONA – genauer SARS COV 2, der Virus, der eine weltweite Pandemie ausgelöst hat. Nichts hat in den vergangenen Jahrzehnten unser Leben so sehr verändert und eingeschränkt wie dieser Virus. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sogar von der größten Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg. Stutzte ich anfangs über diesen Satz und dachte an weitere schreckliche Kriege wie in Vietnam, Korea und auf dem Balkan oder auch an ein besonderes Ereignis wie die deutsche Wiedervereinigung, verstehe ich Merkels Satz zunehmend und stimme ihm zu.

Nichts hat in den letzten Jahrzehnten die Menschen so in ihren grundgesetzlich garantierten Freiheitsrechten eingeschränkt. Wir alle sind aufgefordert, zu Hause zu bleiben, um uns und andere vor einer Erkrankung zu schützen. Der Schutz ist notwendig, weil man nicht in der Lage ist/sein wird, ausreichend therapeutische Maßnahmen bereit zu stellen.

Wir erleben sogar, dass medizinische oder pflegerische Einrichtungen einen Mangel an Schutzkleidung wie Anzügen und Atemschutzmasken beklagen. Würde der Erreger sich unkontrolliert verbreiten, fehlten intensivmedizinische Behandlungsplätze in den Krankenhäusern. Bei unseren europäischen Nachbarn/Freunden Italien und Spanien, die medizinisch schlechter aufgestellt sind als Deutschland, sehen wir gerade mit Schrecken die tödlichen Auswirkungen des SARS COV 2. Die Gesundheitssysteme in einem hochentwickelten Europa stoßen also an ihre Grenzen. Die Forschungen für einen Impfsto laufen auf Hochtouren, optimistische Schätzungen rechnen mit der Verfügbarkeit in rund 18 Monaten; eher realistische Schätzungen, die vor rund 7 Jahren angestellt wurden, als Wissenschaftler die Möglichkeit einer SARS COV–Pandemie beschrieben, gingen von rund 3 Jahren Forschung und Entwicklung aus.

Wir müssen wohl mit SARS COV 2 in den nächsten Jahren leben (lernen). 

Wo Isolierung, Absonderung, Quarantäne erforderlich sind, sind die betroenen Personen auf entsprechende Versorgung von außen angewiesen. Die Versorgung insbesondere von älteren und kranken Menschen mit Nahrungsmittel und Medikamenten ist erschwert.

Ich bewundere diejenigen, die vor allem in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen alle Vorkehrungen treen, um die pandemische Welle abzufedern. Ebenso das Personal in den hausärztlichen Praxen, in denen im Moment alle Fäden zusammenlaufen. Überall hier arbeiten Menschen unter einem erhöhten Risiko, um der Gesellschaft zu helfen. Respekt und Wertschätzung gebührt Arzthelfer*innen, Pfleger*innen, Ärzt*innen. Sie machen ihren Job außerordentlich gut!

Ehrenamtliche Initiativen wurden gegründet, die mit ihrem Einsatz den von der Quarantäne besonders betroenen Menschen helfen wollen. Ich bin froh, selbst Teil der Initiative „Wir packen an!“ der SPD Haltern am See zu sein. Gemeinsam mit vielen weiteren Helfer*innen gelingt es uns, durch Einkäufe, Kurierdienste oder einfach nur durch Gespräche am Telefon, die soziale Isolation unserer Mitbürger*innen zu mindern. Das ist nur ein kleiner Beitrag. Denn bemerkenswert ist die Arbeit der Beschäftigten in den Lebensmittel- und Frische- und Supermärkten. Permanent sind sie gefordert, uns in der Regel „verwöhnte“, Kund*innen zu versorgen. Denn wer von uns hat denn schon, außer vielleicht zu Ostern und Weihnachten, erlebt, dass Regale dauerhaft leer gefegt sind? Mehl, Nudeln, Reis sind begehrt wie nie. Von Klopapier und Küchenrollen will ich erst gar nicht reden. 

Respekt und Wertschätzung gebührt den Mitarbeiter*innen im systemrelevanten Handel. Sie machen einen tollen Job!  

Viele von uns sind im Homeoce, aber es gibt auch jene Berufe vom Bankkaufmann bis zur Feuerwehrfrau, wo die Arbeit ganz „normal“ weitergeht. Die Müllabfuhr kommt und in den öentlichen Verwaltungen wird gearbeitet. Und all diese setzen sich eben auch in besonderem Maße dem Risiko aus, mit dem Virus infiziert zu werden. Deshalb Danke! 

Dort, wo sonst die Menschen in Cafés oder Restaurant sitzen, ist nun Stillstand und Leere. Die Betriebe sind in der Regel geschlossen oder bieten einen kleinen Lieferdienst an. Unsere Einzelhändler mussten ihre Läden schließen. Die wirtschaftlichen Folgen sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum absehbar. Doch je länger diese Ausnahmesituation dauern wird, umso erheblicher die Konsequenzen. Bund und Land versuchen gerade die Wirtschaft mit erheblichen Finanzmitteln zu unterstützen. Auch wir können etwas tun: wenn wir bestellen, dann nur bei unserem lokalen Handel oder wir kaufen erst dann wieder Schuhe und Bekleidung ein, wenn die Läden vor Ort geönet sind. Es geht ums Ganze! 

Deshalb muss die Stadtgesellschaft zusammenhalten und auch jenen helfen, die jetzt ganz besonders von der Krise betroen sind. Zum Beispiel ist die Halterner Tafel aktuell geschlossen, dafür helfen Caritas und St. Sixtus den Menschen in der Not. Das ist gelebte Solidarität. Auch hier können wir durch unsere Spenden unterstützen. 

Als Kommunalpolitikerin weiß ich, dass diese Situation auch Auswirkungen auf den städtischen Haushalt haben wird. Man muss keine Prophetin sein, um zu wissen, dass z. B. die Gewerbesteuereinnahmen ganz erheblich hinter den Erwartungen zurückbleiben werden. Für mich ist klar, dass diese Lücke auf gar keinen Fall durch Anhebung der Grundsteuer oder Kürzungen weiterer Serviceleistungen kompensiert werden darf. Hier ist das Land NRW in der Verantwortung, den Stärkungspaktkommunen auf Grund der besonderen Umstände die strengen Daumenschrauben zu lockern und den verschuldeten Städten zu helfen. Es darf keine zusätzliche Belastung für unsere Bürger*innen geben, dafür stehe ich! 

Wir bleiben zu Hause! Wir sind solidarisch! Bleiben Sie gesund, Glückauf!

Beate Pliete 

30. März 2020

 

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